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Ein Zauberhafter Streich

Coverlizenz: www.depositphotos.com/caroDi

 

Chloe schmückte gerade ihren eigenen Wohnbereich für das heilige Fest Samhain  – oder Halloween, wie es die Sterblichen nannten, als ihr ein Kürbis auf den Boden fiel. Das laute Geräusch riss sie aus ihren Gedanken über die Dinge, die sie noch erledigen musste. Als sie den Kürbis aufhob, fiel ihr Blick auf das verzerrte Gesicht. Mit einem Lächeln dachte sie daran zurück, wie sie ihn zusammen mit ihrem Freund Gael geschnitzt hatte.

 

Es war der 30. Oktober gewesen und die Direktorin des  Zauberinternats hatte ihnen Strafarbeiten aufgebrummt. Sie konnte sich noch an das Gefühl erinnern, als sie beide vor der Direktorin standen, nass bis auf die Knochen, den Blick beschämt auf den Boden gerichtet.

„Ich verstehe nicht, warum ihr euch das Leben immer so schwer macht.“ Die Direktorin, Miss Flinch, schüttelte missbilligend den Kopf.

„Die arme Teresa. Das Zeug wird sie so schnell nicht aus ihren Haaren bekommen. Ich hätte so etwas von Amy erwartet, aber nicht von euch beiden. Nun denn. Ich habe bereits mit euren Familien gesprochen. Sie sind mit meinem Vorschlag der Bestrafung einverstanden.“ Chloe schaute erschrocken auf. Die Bestrafungen in diesem Internat waren berühmt – und gefürchtet.

„Ihr werdet bis morgen Abend eure Zeit bei eurem Experimentallehrer, Mr. Patschin, verbringen.“ Chloe unterdrückte ein Schaudern. Auch Gael sah alles andere als erfreut aus. Hätten sie gewusst, dass ihr kleiner Streich solche Auswirkungen haben würde, hätten sie es wahrscheinlich sein lassen. Oder auch nicht. Das Gesicht von Teresa war einmalig gewesen. Dafür hatten sich auch die unfreiwillige Dusche und die Bestrafung gelohnt. Doch die Aussicht der nächsten Stunden bereitete Chloe leichte Magenschmerzen. Mit hängenden Schultern verließen sie das Büro der Direktorin und machten sich auf den Weg in die Kellerräume des Internats. Mr. Patschin erwartete sie bereits mit einem strengen Blick.

„Ihr zwei werdet in den nächsten Stunden meine Bücher nach dem Alphabet neu einräumen und meine Zutaten für die Experimente ordentlich sortieren und beschriften. Morgen früh kontrolliere ich eure Arbeit und dann bekommt ihr neue Aufgaben.“ Mit diesen Worten ging er hinaus, anschließend fiel die Tür laut ins Schloss. Für Chloe hörte sich das nach einer zuschnappenden Zellentür an.  Alle anderen Schüler machten sich jetzt bereits auf den Heimweg, um das heilige Fest zu feiern. In dem Raum war es stickig, es gab keine Fenster. Eine kleine Glühbirne in der Mitte des Raumes spendete nur spärlich Licht. Zum Glück leuchtete Gaels Körper ziemlich hell, sodass ihnen mehr Licht zur Verfügung stand. Als Lichtalb hatte er keine Möglichkeit, das Leuchten auszuschalten, was ihm wiederum nicht immer gefiel.

„Das ist so unfair“, maulte Gael, als sie sich an die Arbeit machten. Chloe zuckte die Schultern und dachte an die Strafe, die ihre Mutter bestimmt noch für sie bereit hielt. Es dauerte Stunden, bis sie sich durch die Bücherstapel gearbeitet hatten.

„So, das wäre geschafft“, sagte Gael resigniert, als Chloe das letzte Buch ins Regal stellte.

„Was hältst du von einer Pause?“, fragte sie ihn, als ihre Nase wieder von dem vielen Staub anfing zu kribbeln.

„Das wollte ich dir auch gerade vorschlagen“, erwiderte ihr Freund erfreut. Also packten sie ihre Essenspakte aus und setzten sich an Mr. Patschins Schreibtisch. Da Chloe schneller fertig war, nahm sie sich einen Kürbis aus einer der Kisten und ein Messer. Während sie dem Kürbis ein Gesicht verpasste, bemerkte sie, dass Gael düster auf den Boden schaute.

„Bereust du unsere Aktion?“ Gael schüttelte den Kopf.
„Diese Kuh von einer Hexe hat sich schamlos an Xander geschmissen. Sie hat es verdient.“ Xander war Gaels erster fester Freund und Chloe musste sich fest auf die Zunge beißen, um ihm nicht zu sagen, dass besagter erster fester Freund die Avancen erwidert hatte. Als sie die rumpelnden Geräusche draußen auf dem Flur hörten, dachten sie sich im ersten Moment nichts dabei. Immerhin waren sie auf einem Zauberinternat. Hier gab es wirklich die seltsamsten Dinge. Als Gael gerade ein Glas mit getrockneten Fledermausflügeln in die Hand nahm, fing zuerst die Glühbirne an zu flackern, dann er selbst. Erschrocken schaute sie ihren Freund an.

„Gael, was ist los?“, fragte sie ihn nervös.

„Ich weiß es nicht. Ich bin auf jeden Fall nicht krank.“ Ein Lichtalb fing in der Regel nur zu flackern an, wenn er Fieber hatte. Als die Glühbirne und dann Gaels Licht ausging, tastete Chloe nach ihrem Freund.

„Irgendetwas stimmt hier nicht“, flüsterte sie ihm zu. Mittlerweile war es fast Mitternacht. Alle anderen Schüler hatten das Internat bereits verlassen. Soweit sie wusste, waren nur noch die Direktorin und zwei oder drei Lehrer anwesend. Chloe zauberte schnell eine Flamme in ihrer Hand hervor, bevor sie Richtung Tür ging.

„Chloe, was machst du?“, fragte Gael nervös. Da er nicht allein zurück bleiben wollte, folgte er ihr. Leise öffneten sie die Tür und spähten in den Flur hinaus. Das Geräusch wurde immer lauter. Ein Poltern, das sogar den Boden beben ließ. Auch im Flur war es dunkel, doch hier gab es einige Fenster, durch die ein wenig Mondlicht fiel. Als sie ein Stück entfernt einen großen dunklen Fleck sahen, der sich auf sie zubewegte, schlossen sie schnell die Tür. Panisch sah Chloe sich um. Sie hatte das Gefühl, das ihr Puls raste. Adrenalin schoss durch ihre Adern. Sie hatte mal von einer Geschichte gehört, dass kurz vor Samhain mehrere Schüler umgekommen waren. Alle sprachen nur unter vorgehaltener Hand davon, doch niemand wusste, woran die Schüler gestorben waren.

„Schnell, schieb den Schrank vor die Tür“, rief Gael. Mithilfe ihrer Zauberkraft bewegte sie das schwere Möbelstück vor die Tür. Instinktiv wusste sie, dass er ihnen nicht helfen würde. Was auch immer da kam, war vermutlich in der Lage, die Tür zu öffnen. Chloe ergriff Gael am Arm und zog ihn nach hinten in eine Ecke des Raums. Das Rumpeln wurde immer lauter, bis es mit einem Mal völlig still wurde. Chloe bekam vor Angst eine Gänsehaut. Sie war eine Hexe, doch auch die Dunkelheit und Ungewissheit ließen ihr die Beine zittern. Dann wurde die Tür mit solch einer Gewalt aufgestoßen, dass die Kommode zur Seite flog. Das Holz zersplitterte regelrecht. Und dann sahen sie es. Das Wesen kam durch die Tür, durch die es kaum hindurch passte. Für Chloe sah es nach einem riesen Schleimmonster aus. Ihre Flamme war schon lange erloschen, doch in einem verzweifelten Akt beschwor sie sie erneut herauf.  Im Licht des Feuers konnten sie das Monster nun genauer erkennen. Die Augen leuchteten seltsam gelblich. Sein Blick war auf sie beide gerichtete. Der Mund bewegte sich, doch es kam kein Laut heraus. Chloes Herz schlug immer schneller, als es auf sie zukam. In ihren Erinnerungen suchte sie nach einem Zauber, der sie schützen oder das Monster abwehren konnte. Dann hörten sie mit einem Mal einen Pfiff. Die Direktorin stand in der Tür, den Blick missbilligend auf das Monster gerichtet.

„Also wirklich. Nun haben wir das Zeug endlich aus Teresas Haaren bekommen und dann verschwindet es auf einmal.“ Sie wackelte einmal mit ihren Fingern, da drehte sich das Ding um und bewegte sich in Richtung Tür davon. Gael und Chloe atmeten tief ein und aus. Sie hatten gar nicht bemerkt, dass sie die Luft angehalten hatten.

„Tut mir leid, ihr Zwei. Ihr könnt jetzt weitermachen. Ich kümmere mich um dieses Ding.“ Und dann waren die Direktorin und das Schleimmonster wieder verschwunden. Chloe und Gael sahen sich zuerst entsetzt an, bis es ihnen dämmerte.

„Das war unser Glibberzeugs“, sagte Gael erstaunt. Chloe nickte. Sie hatten es heimlich in einem Kessel aus dem Zaubetrankunterricht hergestellt. Zusammen ließen sie sich an der Wand mit dem Rücken hinunter gleiten, bis sie auf dem alten, dicken Teppich saßen. Als sie sich umsahen, war der Raum noch mehr verwüstet, als zuvor. Und das wollte schon etwas heißen. Der geschnitzte Kürbiskopf lag noch immer auf dem Schreibtisch. Seine leeren Augen schauten sie spöttisch an. Eine Weile lang saßen sie schweigend da, Schulter an Schulter.

„Das war kein Zufall, oder?“, fragte Gael sie. Chloe strich sich ihre langen roten Haare aus dem Gesicht, als sie antwortet: „Nein, ich glaube nicht.“ 

 

Liebevoll strich Chloe über den Kopf des alten Kürbisses. Dieser Tag war ihnen eine Lehre gewesen. Bei den nächsten Streichen ließen sie sich nicht so leicht erwischen. Die Direktorin verstand es wirklich, ihre Schüler zu bestrafen. Vorsichtig stellte Chloe den Kürbis auf den Esstisch, ehe sie pfeifend mit der Dekoration fortfuhr.

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